Als Israel kürzlich die Blockade des Gazastreifens lockerte, ging ein Aufatmen durch die israelische Unternehmerwelt. 1,5 Millionen eingesperrte Palästinenser brauchen Kühlschränke und Waschmaschinen, Spülmittel und Kleidung, Schuhe und Nahrungsmittel; und Israel liefert es ihnen, endlich wieder, nach vier Jahren Blockade. Die Regale in palästinensischen Geschäften in Gaza und der Westbank sind voll mit israelischen Produkten. Sogar der Fisch kommt aus Israel zu den Einwohnern von Gaza, obwohl der Küstenstreifen direkt am Mittelmeer liegt, die Palästinenser gute Fischer sind und mit eigenem Fang nicht nur die eigenen Familien ernähren, sondern auch ihren Lebensunterhalt verdienen und damit die palästinensische Wirtschaft wieder in Fahrt bringen könnten. Doch genau das will Israel nicht, denn es geht ja darum, den attraktiven palästinensischen Markt exklusiv für die eigenen Unternehmer zu nutzen. Darum bleibt nicht nur die Einfuhr von Rohstoffen für die palästinensische Produktion verboten, auch die Seeblockade wird nicht aufgehoben und den palästinensischen Fischern wird lediglich in einem schmalen, völlig überfischten Streifen das Arbeiten erlaubt. »Das ist doch pervers«, sagt ein Palästinenser in die Kamera eines Filmteams und hält ein Spülmittel made in Israel in den Händen. »Wir sollen die Produkte unserer Unterdrücker kaufen und ihnen auch noch Profit bescheren?«

  1. Junge Welt vom 9. Juli 2010; Schwerpunkt: »Kollektive Kampagne« von: Karin Leukefeld