Nazis wollen wieder am 4. September in Dortmund marschieren

Dortmund. Erschreckend perfide die Aktionen der Rechtsextremen, ihre Einschüchterungstaktiken. Nicht nur im Vorfeld des rechten Aufmarsches am Samstag [den 4. September 2010; d. Red.], sondern der alltägliche Terror. Da werden Erinnerungen wach an den Terror der SA. Auf einer Art Steckbrief samt Foto haben sie vor wenigen Tagen einen 29-jährigen Dortmunder öffentlich an den Pranger gestellt und denunziert: „Vorsicht! Kommunist in ihrer Nachbarschaft!“
Von Andreas Winkelsträter
Der Nazi-Terror in Dortmund ist nicht nur Thema, wenn es zu großen Aufmärschen kommt. Auch im Kleinen, im Alltag leiden Bürger unter den Aktionen Rechtsradikaler. Wie etwa ein 29-Jähriger, der auf Flugblättern als Feind der rechten Szene dargestellt wird. „Klar liest man sofort zwischen den Zeilen, dass das eine unmissverständliche Botschaft der Neonazis ist“, erklärt der junge Mann. „Sie sagen mir deutlich: ,Wir haben Dich im Visier! Pass auf, dass Du nicht was in die Fresse bekommst’.“

Über Nacht hat man im Wohnhaus des Dortmunders etliche dieser Flyer unter der Tür durchgeschoben, hat die Steckbriefe in die Briefkästen der Nachbarn gesteckt. Auf den Schmierblättern wird der 29-Jährige als Mitglied der SDAJ (Jugendorganisation der DKP) geoutet, als Kommunist. Und als Straftäter, der an einer „Demonstration teilgenommen hat, bei der es zu gewalttätigen Übergriffen auf anwesende Polizeibeamte kam“. „Es ist frei erfunden, dass ich irgendwelchen Wohnhäuser besprüht habe“, versucht sich der Mann zu wehren. Er sei völlig friedfertig, stehe auch dazu, dass er Kommunist ist, dass er gegen die fremdenfeindlichen und menschenverachtenden Ansichten der Rechten ist. Er hat Anzeige wegen Bedrohung und Verleumdung erstattet.

Alltagsleben im Visier

Einzelheiten und Gewohnheiten aus seinem Alltagsleben werden veröffentlich, seine genaue Anschrift genannt. Bürger werden u.a. aufgefordert: Greifen Sie aktiv ein! Sprechen Sie ihn auf sein Handeln an! Auf dem Blatt heißt es: „Das Quartier Rheinische Straße darf nicht zu einem Rückzugsraum von antideutschen Straftätern verkommen, die sich am Eigentum anderer vergreifen und das gesamte Stadtbild verschmutzen.“

Stimmung zu machen gegen ihn in seinem direkten Wohnumfeld hält er für naiv. Denn hier wohnten Menschen mit ganz unterschiedlichen Weltbildern friedlich zusammen. „Aber es ist auch ganz klar“, sagt er dann nachdenklich, „das ist natürlich ein Einschüchterungsversuch.“ Diesem verliehen Nazis auch mit Sprüchen Nachdruck.

Nachbarn, die er angesprochen hat, sehen ebenfalls den ernsten Hintergrund – sehen, dass eine Bedrohung dahintersteckt. „Doch die haben mir doch Mut gemacht“, sagt der Denunzierte, der seit rund 20 Jahren in Dortmund wohnt, und schmunzelt: „Ich war vor den Nazis da.“

  1. DerWesten vom 1.September 2010