Wilhelm Pieck (KPD)

[…] Von den Kapitalisten wird durch Massenentlassungen von Arbeitern und Angestellten, durch Lohn- und Gehaltsabbau, Abdrosselung der sozialen Unterstützungseinrichtungen, Erhöhung der Massensteuern und Zölle eine Hungeroffensive geführt um die Folgen der Wirtschaftskrise allein auf die Werktätigen abzuwälzen. Durch einen unerhörten Polizeiterror sollen Sie vom Kampf gegen diese Hungeroffensive abgeschreckt oder im Kampfe niedergeschlagen werden. Besonders werden die Kommunisten von der bürgerlichen Klassenjustiz in die Kerker geworfen. Durch einen barbarischen Strafvollzug werden die Gefangenen zugrundegerichtet. Und was tun die bürgerlichen Parteien? Helfen sie etwa den werktätigen Massen in ihrer Not? Nein. Im Gegenteil . Nur die Interessen des Kapitals vertreten sie im Parlament.

Die nationalsozialistischen Führer liefern außerdem noch dem Kapital gegen gute Bezahlung die Streikbrecher und Mordbanden gegen die kämpfenden Arbeiter. Ihr angestrebtes Dritte Reich ist der Faschismus.

Aber auch die sozialdemokratischen Führer helfen unter der Losung des Wirtschaftsaufbaus nur den Kapitalisten. Auch sie betreiben in den Regierungen, Parlamenten und Gemeinden die Politik der Massenverelendung. Sie sind die Polizeibüttel der Bourgeoisie zur Niederschlagung der revolutionären Arbeiter.

Nur die Kommunisten helfen den Werktätigen. Unter ihrer Führung wächst die Radikalisierung der Massen. Sie hat bereits zu einer Krise der bürgerlichen Demokratie und Parteien geführt. Darum auch die Vorbereitung der faschistischen Diktatur. Was ist zu tun? Gibt es einen Ausweg aus der Not? Ja. Ihr Werktätige in Stadt und Land. Der einzige Ausweg aus eurer Not ist allein der Klassenkampf, den Ihr Gemeinsam in einer Front unter Führung der Kommunisten zur Verbesserung eurer wirtschaftlichen Lage und zum Sturz eurer Klassenfeinde austragen müßt. Gewaltig ist die vereinte Kraft des werktätigen Volkes. Das beweisen die russischen Arbeiter und Bauern, die unter Führung Lenins den Zarismus stürzten und mit der proletarischen Diktatur den Sozialismus aufbauen. Darum reiht euch alle ein in die rote Klassenfront. Stimmt alle für die Kommunisten. Seid rote Wahlhelfer. Hinaus aufs Land. Werbt für die KPD und ihre Presse. Stärkt die rote Gewerkschaftsopposition. Kämpft gegen Polizei- und Justizterror und für die Freilassung aller proletarischen politischen Gefangenen. Stärkt die Rote Hilfe Deutschlands. Kämpft gegen imperialistische Kriegsgefahr und Faschismus, kämpft für ein sozialistisches Sowjetdeutschland.

  1. Rundfunkrede vom Reichstagsabgeordneten Wilhelm Pieck (KPD) im Jahr 1930