Der Begriff Rasse gehört nicht in den Biologieunterricht, sagt Kathrin Vizthum von der Lehrergewerkschaft GEW. Foto: Marco Kneise

Für Kathrin Vizthum von der Lehrergewerkschaft GEW ist die Sache klar: „Der Begriff Rasse gehört nicht in den Biologieunterricht und er gehört nicht in das Sprachbild, um die Unterschiedlichkeit von Menschen zu erklären.“
Erfurt. Das Thema Rassentheorie müsse im Rahmen der Vermittlung von Geschichte und Ethik, von Moral und politischem Selbstverständnis im schulischen Kontext bearbeitet werden. Schließlich ist die Frage auch politisch hochbrisant und kocht in Thüringen gerade in einer Zeit hoch, in der bundesweit über die umstrittenen Thesen von Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin diskutiert wird. Der umstrittenen Lehrplan für das Fach Biologie der 10. Klasse des Gymnasiums ist allerdings auch nicht taufrisch, sondern bereits zehn Jahre alt. Nach Angaben des Kultusministeriums wird der derzeit überarbeitet. Man rechnet damit, dass die neuen Leitlinien dann in etwa zwei Jahren im Unterricht umgesetzt werden können. Der Begriff Menschenrasse, so unterstrich Ministeriums- Sprecher Gerd Schwinger, sei mittlerweile überholt, werde auch nicht mehr gebraucht. Im Unterricht müsse man aber darüber reden, wie es zu dieser Lehre historisch gekommen sei. „Die Kritik an den Lehrplänen ist auch beim Thüringer Institut für Lehrerfortbildung angekommen, das für die Lehrpläne verantwortlich ist“, unterstrich Schwinger. Die Thüringer GEW allerdings fordert schon jetzt die Lehrer zum kritischen Umgang mit veraltetem Wissen im Allgemeinen und zu einer Sensibilisierung gegenüber Rassismus und Rechtsextremismus auf. Kathrin Vizthum verweist in diesem Zusammenhang auf eine Stellungnahme der Unesco, die bereits aus dem Jahr 1996 stammt. Dort heißt es: „Mit diesem Dokument wird nachdrücklich erklärt, dass es keinen wissenschaftlich zuverlässigen Weg gibt, die menschliche Vielfalt mit starren Begriffen ,rassischer Kategorien oder dem traditionellen ,Rassen-Konzept zu charakterisieren. Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff ,Rasse weiter zu verwenden.“ Vizthum hofft, dass sich diese klare Positionierung der Unesco auch in den Thüringer Lehrplänen niederschlagen wird. In den Handreichungen zum Lehrplan heißt es dann zwar, es solle um die Gleichwertigkeit von Menschen und das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft gehen. Allerdings, so die GEW-Vertreterin, werde damit die Widersprüchlichkeit zum Problem. Während man einerseits lerne, dass es verschiedene Menschenrassen gebe, werde dann wiederum vermittelt, dass dies jedoch kein Grund sei, die Menschen unterschiedlich zu behandeln. „Solange die Existenz von Menschenrassen im Biologieunterricht behauptet und vermittelt wird, wird die Wahrnehmung auf die Unterschiedlichkeit von Menschen gelenkt“, so Vizthum.

  1. Hartmut Kaczmarek am 16.09.10 in der Thüringer Allgemeinen Zeitung