Archive for the ‘Klassiker’ Category

zu einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt…

Mittwoch, Juni 8th, 2011

Schließlich erhalten wir noch folgende Resultate aus der entwickelten Geschichtsauffassung: 1. In der Entwicklung der Produktivkräfte tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte (Maschinerie und Geld) – und was damit zusammenhängt, daß eine Klasse hervorgerufen wird, welche alle Lasten der Gesellschaft zu tragen hat, ohne ihre Vorteile zu genießen, welche aus der Gesellschaft herausgedrängt, in den entschiedensten Gegensatz zu allen andern Klassen forciert wird; eine Klasse, die die Majorität aller Gesellschaftsmitglieder bildet und von der das Bewußtsein über die Notwendigkeit einer gründlichen Revolution, das kommunistische Bewußtsein, ausgeht, das sich natürlich auch unter den andern Klassen vermöge der Anschauung der Stellung dieser Klasse bilden kann; 2 daß die Bedingungen, innerhalb deren bestimmte Produktionskräfte angewandt werden können, die Bedingungen der Herrschaft einer bestimmten Klasse der Gesellschaft sind, deren soziale, aus ihrem Besitz hervorgehende Macht in der jedesmaligen Staatsform ihren praktisch-idealistischen Ausdruck hat, und deshalb jeder revolutionäre Kampf gegen eine Klasse, die bisher geherrscht hat, sich richtet; 3, daß in allen bisherigen Revolutionen die Art der Tätigkeit stets unangetastet blieb und es sich nur um eine andre Distribution dieser Tätigkeit, um eine neue Verteilung der Arbeit an andre Personen handelte, während die kommunistische Revolution sich gegen die bisherige Art der Tätigkeit richtet, die Arbeit beseitigt und die Herrschaft aller Klassen mit den Klassen selbst aufhebt, weil sie durch die Klasse bewirkt wird, die in der Gesellschaft für keine Klasse mehr gilt, nicht als Klasse anerkannt wird, schon der Ausdruck der Auflösung aller Klassen, Nationalitäten etc. innerhalb der jetzigen Gesellschaft ist; und 4. daß sowohl zur massenhaften Erzeugung dieses kommunistischen Bewußtseins wie zur Durchsetzung der Sache selbst eine massenhafte Veränderung der Menschen nötig ist, die nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen kann; daß also die Revolution nicht nur nötig ist, weil die herrschende Klasse auf keine andre Weise gestürzt werden kann, sondern auch, weil die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden.

  1. Marx/Engels, die Deutsche Ideologie (MEW Bd. 3); Seite 69f.

schon hundertmal ausgesprochen…

Montag, Juni 6th, 2011

Diese vorgefundenen Lebensbedingungen der verschiedenen Generationen entscheiden auch, ob die periodisch in der Geschichte wiederkehrende revolutionäre Erschütterung stark genug sein wird oder nicht, die Basis alles Bestehenden umzuwerfen, und wenn diese materiellen Elemente einer totalen Umwälzung, nämlich einerseits die vorhandenen Produktivkräfte, andrerseits die Bildung einer revolutionären Masse, die nicht nur gegen einzelne Bedingungen der bisherigen Gesellschaft, sondern gegen die bisherige „Lebensproduktion“ selbst, die „Gesamttätigkeit“, worauf sie basierte, revolutioniert – nicht vorhanden sind, so ist es ganz gleichgültig für die praktische Entwicklung, ob die Idee dieser Umwälzung schon huntermal ausgesprochen ist – wie die Geschichte des Kommunismus dies beweist.

  1. Marx/Engels, die Deutsche Ideologie (MEW Bd. 3); Seite 38f.

Die Sozialdemokratie

Mittwoch, Oktober 13th, 2010
SPD – Reformerpartei

Wenn die Sozialdemokratie im Grunde genommen einfach eine Reformpartei ist und den Mut haben muß, dies offen zu bekennen, dann hat ein Sozialist (=ein Sozialdemokrat; d. Red.) nicht nur das Recht, sondern muß sogar stets danach streben, in ein bürgerliches Kabinett einzutreten. Wenn die Demokratie im Grunde genommen die Aufhebung der Klassenherrschaft bedeutet, warum sollte dann ein sozialistischer Minister nicht die ganze bürgerliche Welt mit Reden über Zusammenarbeit der Klassen entzücken? Warum sollte er nicht selbst dann noch in der Regierung bleiben, wenn die Niedermetzelung von Arbeitern durch Gendarmen zum hundertsten und tausendsten Male den wahren Charakter der demokratischen Klassenzusammenarbeit offenbart hat? (…) Und als Entgelt für diese unsagbare Erniedrigung und Sebstbespeiung des Sozialismus vor der ganzen Welt, für die Korrumpierung des sozialistischen Bewußtseins der Arbeitermassen – das die einzige Grundlage ist, die uns den Sieg verbürgen kann -, als Entgelt dafür groß aufgemachte Projekte armseliger Reformen, armseliger noch als das, was unter bürgerlichen Regierungen schon errungen werden konnte!

  1. Lenin, Was tun? (Ausgabe: Hamburg 2010); Seite 12f.

konterrevolutionäres Element

Donnerstag, Oktober 7th, 2010
Neuland Unterm Pflug

An den Bevollmächtigten der GPU des Bezirks,
Genosse Sachartschenko

Ich überweise Ihnen den Kulaken Tit Konstantinowitsch Borodin, ein niederträchtiges konterrevolutionäres Element. Als wir das Inventar dieses Kulaken aufnahmen, verübte er in aller Öffentlichkeit ein Attentat auf den Genossen Dawydow, der zum Parteiaufgebot der Fünfundzwanzigtausend gehört. Es gelang ihm, den Genossen Dawydow mit einem eisernen Jochnagel zweimal auf den Kopf zu schlagen.

Außerdem teile ich Ihnen mit, daß ich bei Borodin einen Kurzlauf russischer Herkunft gesehen habe, den ich aber nicht an mich bringen konnte, da wir allein auf einem einsamen Hügel waren und ich Blutvergießen vermeiden wollte. Diesen Kurzlauf hat der Kulak unbemerkt in den Schnee geworfen. Sollte die Waffe gefunden werden, so geht sie Ihnen als Beweisstück zu.

M Nagulnow,
Seketär der Zelle der KPdSU(B) von Gremjatschi Log und Inhaber des Rotbahnnerordens

  1. Michail Scholochow – Neuland Unterm Pflug; Erstes Buch (Leipzig 1975); Seite 72f.

Hungeroffensive der Krise

Donnerstag, September 9th, 2010
Wilhelm Pieck (KPD)

[…] Von den Kapitalisten wird durch Massenentlassungen von Arbeitern und Angestellten, durch Lohn- und Gehaltsabbau, Abdrosselung der sozialen Unterstützungseinrichtungen, Erhöhung der Massensteuern und Zölle eine Hungeroffensive geführt um die Folgen der Wirtschaftskrise allein auf die Werktätigen abzuwälzen. Durch einen unerhörten Polizeiterror sollen Sie vom Kampf gegen diese Hungeroffensive abgeschreckt oder im Kampfe niedergeschlagen werden. Besonders werden die Kommunisten von der bürgerlichen Klassenjustiz in die Kerker geworfen. Durch einen barbarischen Strafvollzug werden die Gefangenen zugrundegerichtet. Und was tun die bürgerlichen Parteien? Helfen sie etwa den werktätigen Massen in ihrer Not? Nein. Im Gegenteil . Nur die Interessen des Kapitals vertreten sie im Parlament. (mehr …)